Für Partner, Freundinnen & Eltern
Sie ist ungewollt schwanger — und du willst helfen
Deine Partnerin, Freundin oder Tochter steht vor einer Entscheidung, die du ihr nicht abnehmen kannst. Aber wie du dich jetzt verhältst, macht einen großen Unterschied. Hier findest du, was hilft, was schadet — und wo ihr beide Unterstützung bekommt.
Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Cullen und Kollegen- Die Entscheidung liegt allein bei ihr — rechtlich und menschlich. Druck in jede Richtung schadet.
- Was am meisten hilft: zuhören ohne zu bewerten, praktische Wege abnehmen, erreichbar bleiben.
- Auch du darfst dir Unterstützung holen — die Beratung ist auch für Partner, Freundinnen und Eltern da, kostenlos und anonym.
Verstehen
Was gerade in ihr vorgeht
Ein positiver Test löst oft einen Ausnahmezustand aus: Angst, Scham, Zeitdruck, kreisende Gedanken — manchmal alles gleichzeitig. Viele Frauen sagen später, das Schlimmste sei das Gefühl gewesen, allein entscheiden zu müssen und niemandem eine „falsche" Reaktion zumuten zu können.
Genau da kannst du ansetzen: nicht mit Lösungen, sondern mit Verlässlichkeit. Du musst nichts reparieren. Du musst da sein.
Konkret
Was hilft — und was schadet
Das hilft
Zuhören, ohne sofort zu bewerten. Fragen, was sie gerade braucht. Termine begleiten, wenn sie das möchte. Sagen: „Ich bin da, egal wie du dich entscheidest." Und es dann auch sein.
Das schadet
Druck in jede Richtung — auch gut gemeinter. Sätze wie „Das schaffen wir schon weg" oder „Du musst es behalten" nehmen ihr die Entscheidung, die nur sie treffen kann und darf (§218a StGB setzt ihre freie Entscheidung voraus).
Das entlastet euch beide
Professionelle Beratung. Sie muss die Gedanken nicht bei dir „abladen", du musst nicht Therapeut und Partner zugleich sein. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und auch für dich allein möglich.
Wenn du der Vater bist
Deine Gefühle zählen auch — aber die Entscheidung ist ihre
Vielleicht wünschst du dir das Kind. Vielleicht wünschst du dir den Abbruch. Beides darfst du fühlen und aussprechen — einmal, ehrlich, ohne Wiederholung. Danach ist deine Aufgabe, ihre Entscheidung zu tragen, auch wenn sie nicht deine wäre.
Wenn dich das überfordert: Genau dafür ist die Beratung auch für dich da. Viele Männer melden sich erst, wenn die Beziehung schon Risse hat. Früher ist besser.
Wenn deine Tochter betroffen ist
Für Eltern: Halt geben, ohne zu übernehmen
Auch minderjährige Schwangere entscheiden grundsätzlich selbst — bei ausreichender Einsichtsfähigkeit auch ohne Zustimmung der Eltern. Was sie von dir braucht, ist kein Urteil, sondern die Gewissheit, dass sie zu Hause sicher ist, egal was sie entscheidet.
Praktisch helfen kannst du bei Terminen, Kosten und Wegen — mehr dazu unter finanzielle Hilfen und im Ratgeber Schwanger mit 16: Was tun?.
Warnzeichen
Wann du aktiv werden solltest
Zieh eine Grenze, wenn du siehst, dass jemand anderes Druck ausübt — der Partner, die Familie, das Umfeld. Eine Entscheidung unter Druck ist keine freie Entscheidung, und sie ist es, die damit leben muss. Der Ratgeber „Freund drängt zur Abtreibung" zeigt, wie Betroffene sich wehren können.
Und wenn sie die Tabletten bereits genommen hat und es ihr körperlich schlecht geht (sehr starke Blutung, Fieber, Kreislaufprobleme): ärztliche Hilfe organisieren, nicht abwarten. Die Warnzeichen stehen unter Risiken & Nebenwirkungen.
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Vertiefende Artikel
Häufige Fragen
Fragen von Angehörigen
Darf ich bei der Pflichtberatung dabei sein?
Ja, wenn sie das möchte. Die Beratung kann allein oder in Begleitung stattfinden — die Entscheidung liegt bei ihr. Es gibt auch Beratungsstellen, die getrennte Gespräche für Partner anbieten.
Kann ich als Partner die Entscheidung mitbestimmen?
Nein. Rechtlich entscheidet allein die schwangere Frau. Du darfst deine Sicht äußern — aber die Entscheidung und ihre Folgen trägt sie. Was du mitbestimmen kannst: wie unterstützt sie sich dabei fühlt.
Ich komme selbst nicht damit klar. Wohin kann ich mich wenden?
Die Vita-L-Beratung ist auch für Angehörige da — kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym: 0800 36 999 63, täglich 6–24 Uhr, oder per Chat und E-Mail. Du musst dafür nicht „betroffen genug" sein.
Was, wenn ich glaube, dass sie unter Druck gesetzt wird?
Sprich es ruhig und konkret an („Ich habe den Eindruck, dass X dich drängt — stimmt das?") und zeig ihr, dass es anonyme Hilfe gibt. Bei akuter Bedrohung: Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen, 116 016 (rund um die Uhr).
Ihr müsst das nicht allein klären
Sprich mit uns — über sie, über dich, über euch. Kostenlos, vertraulich und ohne Druck. Täglich von 6 bis 24 Uhr.