Wenn nach der Abtreibungspille die Blutung einsetzt und nicht aufhören will, kommt fast immer dieselbe Frage auf: Ist das noch normal? Viele Frauen sitzen damit allein zu Hause, vergleichen mit der eigenen Regelblutung und wissen nicht, ab wann Sorge angebracht ist.
Die kurze Antwort: Eine Blutung über etwa zwölf Tage ist nach der Fachinformation der übliche Durchschnitt, und sie darf auch länger dauern. Entscheidend ist nicht die reine Dauer, sondern die Stärke und ob Warnzeichen dazukommen.
Dieser Artikel ordnet ein, was in den Tagen danach zu erwarten ist, woran du eine zu starke Blutung erkennst und wann ein Anruf besser ist als Abwarten.
Wie lange dauert die Blutung?
Die Herstellerangaben zu Mifegyne nennen eine durchschnittliche Blutungsdauer von etwa zwölf Tagen oder länger nach der Einnahme von Mifepriston. Andere Zulassungstexte desselben Präparats geben einen Bereich von neun bis sechzehn Tagen an.
Danach kann es bei einem Teil der Frauen noch zu Schmierblutungen kommen, die bis zur nächsten Regelblutung anhalten. Auch das ist beschrieben und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist.
Anders gesagt: Die Spannbreite ist groß, und sie ist normal. Wenn deine Blutung nach zwei Wochen noch nicht ganz vorbei ist, ist das für sich genommen noch kein Alarmsignal. Was zählt, ist der Verlauf.
Was in den ersten Stunden passiert
Die eigentliche Blutung setzt meist nach der zweiten Tablette ein, dem Misoprostol. Sie beginnt oft innerhalb weniger Stunden und ist in dieser Phase typischerweise stärker als eine normale Periode, begleitet von krampfartigen Schmerzen.
Dass dabei Gerinnsel und Gewebeanteile abgehen, gehört zum medikamentösen Abbruch dazu. Für viele Frauen ist genau dieser Moment der schwerste, unabhängig davon, wie sicher die Entscheidung vorher war. Wenn dich das belastet, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern eine normale Reaktion.
Danach nimmt die Blutung in der Regel ab und geht über Tage in eine schwächere, periodenähnliche Blutung über.
Wann die Blutung zu stark ist
Hier kommt der Punkt, an dem du nicht abwarten solltest. Die Fachinformation beschreibt als Grund für ärztlichen Kontakt Blutungen, die länger als zwölf Tage andauern oder stärker sind als deine üblichen Menstruationsblutungen.
Ein praktischer Anhaltspunkt für „zu stark":
- Du durchblutest zwei Stunden hintereinander jede Stunde eine dicke Binde vollständig.
- Du fühlst dich schwindelig, hast Herzrasen oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden.
- Du bekommst Fieber, anhaltend starke Unterleibsschmerzen oder übel riechenden Ausfluss.
Bei Kreislaufzeichen wie Schwindel oder drohender Ohnmacht ist der Notruf 112 der richtige Weg, nicht das Warten auf den nächsten Praxistermin. Starke Blutungen, die eine Ausschabung nötig machen, treten bei etwa einem Prozent der Frauen auf. Selten, aber real.
Sehr selten wurden nach medikamentösen Abbrüchen schwere Infektionen beschrieben, teilweise ohne deutliches Fieber. Deshalb gilt: Anhaltende starke Schmerzen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl gehören abgeklärt, auch wenn das Thermometer unauffällig ist.
Wenn du kaum blutest
Der umgekehrte Fall verunsichert genauso, wird aber seltener angesprochen. Eine sehr schwache oder ausbleibende Blutung kann ein Hinweis darauf sein, dass die Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben.
Auch das ist ein Grund, in der Praxis anzurufen, statt bis zum vereinbarten Termin zu warten. Schildere möglichst konkret, wie stark die Blutung war und wie lange sie angehalten hat.
Warum die Nachuntersuchung wichtig ist
Das ist die vielleicht wichtigste Information in diesem Artikel: Eine Blutung ist kein Beweis dafür, dass der Abbruch vollständig war. Die Fachinformation sagt das ausdrücklich.
Deshalb ist innerhalb von 14 bis 21 Tagen nach der Einnahme von Mifepriston ein Kontrolltermin vorgesehen. Dort wird mit Ultraschall oder einer Bestimmung des Schwangerschaftshormons überprüft, ob die Austreibung abgeschlossen ist.
Wenn die Blutung auch nach diesem Termin anhält, selbst in leichter Form, gehört das ebenfalls abgeklärt. Nimm den Termin also auch dann wahr, wenn du dich längst wieder gut fühlst.
Wann die Periode wiederkommt
Die nächste normale Regelblutung setzt meist vier bis sechs Wochen nach dem Abbruch ein. Bis dahin können Schmierblutungen auftreten.
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Der Körper kann schon vor der ersten Periode wieder fruchtbar sein. Wenn Verhütung für dich ein Thema ist, sprich sie beim Nachsorgetermin an.
Häufige Fragen zur Blutung
Sind Klumpen und Gewebeteile normal?
Ja. Die Schwangerschaftsanlage wird über die Blutung ausgestoßen, deshalb sind Gerinnsel zu erwarten. Belastend kann der Anblick trotzdem sein, und darüber zu sprechen ist völlig in Ordnung.
Darf ich Tampons benutzen?
In den ersten Tagen wird üblicherweise zu Binden geraten, unter anderem weil sich die Blutungsstärke damit besser einschätzen lässt. Wie es in deinem Fall gehandhabt wird, sagt dir deine Praxis. Halte dich an deren Empfehlung.
Wie lange halten die Schmerzen an?
Die krampfartigen Schmerzen sind meist am Tag der zweiten Tablette am stärksten und lassen danach nach. Anhaltende starke Schmerzen sind ein Grund, sich zu melden. Mehr dazu findest du unter Schmerzen bei der Abtreibungspille.
Was, wenn die Medikamente nicht gewirkt haben?
Das kommt vor und wird beim Kontrolltermin festgestellt. Welche Möglichkeiten es dann gibt, beschreiben wir unter Abtreibungspille nicht gewirkt. Eine ausführliche Übersicht zu möglichen Komplikationen findest du auf unserer Seite zu den Risiken der Abtreibungspille.
Du musst das nicht allein einschätzen
Zahlen und Fristen helfen bei der Einordnung, nehmen dir aber die Unsicherheit nicht ab, wenn du gerade blutest und dir Sorgen machst. Für die medizinische Beurteilung ist die Praxis oder Klinik zuständig, in der du die Medikamente bekommen hast. Ruf dort an, das ist ausdrücklich vorgesehen.
Und wenn dich neben der körperlichen Seite auch beschäftigt, wie es dir mit dem Ganzen geht: Dafür sind wir da. Kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym, per Chat, E-Mail oder Telefon. Du musst nicht wissen, was du sagen willst. Ein Satz reicht.
