Was macht die erste Abtreibungspille? Wirkung erklärt

26. Juli 2026

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Was macht die erste Abtreibungspille? Wirkung erklärt

Vielleicht sitzt du gerade im Wartezimmer, vielleicht bist du schon wieder zu Hause und die erste Tablette liegt hinter dir. Und jetzt kommt dieser seltsame Moment: Es ist etwas Wichtiges passiert — aber äußerlich passiert erstmal fast nichts. Kein Schmerz, keine Blutung, nur Warten. Viele Frauen beschreiben genau diese Stunden als den schwersten Teil.

Die Abtreibungspille ist keine einzelne Tablette, sondern eine Abfolge aus zwei Wirkstoffen. Die erste Tablette enthält Mifepriston (Handelsname Mifegyne®) und wird in der Praxis eingenommen. Danach folgt nach dem von deiner Praxis festgelegten Ablauf ein Medikament mit Misoprostol. Dazwischen liegt eine Zeit, über die erstaunlich wenig gesprochen wird, obwohl sie körperlich und innerlich viel mit einem macht.

Dieser Artikel erklärt dir ruhig und ohne Beschönigung, was die erste Tablette in deinem Körper tut, was du in den Stunden danach spüren kannst, was normal ist, was nicht — und was du tun kannst, wenn dich in dieser Wartezeit plötzlich Zweifel überkommen. Du musst dafür nichts entschieden haben und nichts erklären.

Was macht die erste Tablette im Körper?

Die erste Tablette enthält den Wirkstoff Mifepriston. Er blockiert die Wirkung von Progesteron — dem Hormon, das eine Schwangerschaft aufrechterhält. Ohne diese hormonelle Unterstützung kann sich die Schwangerschaft nicht weiterentwickeln, und die Gebärmutterschleimhaut beginnt, sich zu lösen. Zusätzlich wird der Gebärmutterhals weicher und öffnet sich etwas. Das ist die Vorbereitung für den zweiten Schritt.

Wichtig zu verstehen: Mifepriston allein löst den Abbruch in der Regel noch nicht aus. Es stellt die Weichen. Das Ausstoßen des Schwangerschaftsgewebes übernimmt fast immer erst das Misoprostol, also die zweite Tablette. Deshalb fühlt sich der erste Tag für viele Frauen unspektakulär an — und genau das verunsichert.

Das erste Medikament wird laut den Informationen des IQWiG auf gesundheitsinformation.de in der Arztpraxis eingenommen. Danach kannst du nach Hause gehen. Den genauen Gesamtablauf mit allen Terminen findest du auf unserer Seite zum Ablauf der Abtreibungspille.

Was spürst du nach der ersten Tablette?

Ehrliche Antwort: Das ist sehr unterschiedlich — und bei vielen Frauen zunächst wenig. Manche merken körperlich fast gar nichts und wundern sich darüber. Andere bekommen ein Ziehen im Unterleib, leichte Krämpfe, Übelkeit oder Müdigkeit. Bei einem Teil der Frauen setzt schon am selben Tag eine Blutung ein, die einer normalen Regelblutung ähnelt.

Wenig zu spüren ist nach der ersten Einnahme möglich. Auch eine früh einsetzende Blutung kann vorkommen. Sie zeigt aber nicht verlässlich, ob die Schwangerschaft bereits vollständig abgegangen ist. Der Körper reagiert hier sehr individuell.

Wann setzt die Blutung ein – nach dem ersten oder dem zweiten Medikament?

Das erste Medikament setzt den hormonellen Schritt in Gang: Mifepriston blockiert Progesteron und bereitet die Gebärmutter auf den weiteren Ablauf vor. Diese Wirkung ist nicht daran zu erkennen, ob du etwas spürst oder ob du blutest. Nach der ersten Einnahme kann eine Blutung vorkommen; keine Blutung nach der ersten Einnahme ist deshalb für sich genommen kein Hinweis darauf, dass etwas nicht wirkt oder dass du selbst etwas ändern musst.

Die Blutung und Krämpfe, durch die Schwangerschaftsgewebe abgehen kann, beginnen häufig erst nach dem zweiten Medikament. Laut IQWiG-Patienteninformation setzt bei etwa der Hälfte der Frauen ungefähr zwei bis drei Stunden nach Misoprostol eine Blutung ein. Das ist keine feste Frist: Bei anderen beginnt sie früher oder später.

Auch familienplanung.de erläutert, dass der medikamentöse Abbruch sich über mehrere Tage erstreckt. Die Mifegyne-Fachinformation beschreibt zudem Blutungen nach Mifepriston. Auftreten oder Ausbleiben nach der ersten Einnahme beantwortet deshalb nicht, ob der Abbruch abgeschlossen ist. Halte dich für den nächsten Schritt und die Kontrolle an den Plan deiner behandelnden Praxis.

Mehr zum gesamten Ablauf findest du unter Ablauf der Abtreibungspille; wie lange Blutungen danach anhalten können, behandelt der separate Artikel Blutung nach der Abtreibungspille: Wie lange?.

  • Erstes Medikament

    Mifepriston blockiert Progesteron und bereitet vor.

  • Zweites Medikament

    Nach Misoprostol beginnen häufig Blutung und Krämpfe.

Die Medikamente haben unterschiedliche Aufgaben. Zeitpunkt und weitere Schritte legt die behandelnde Praxis fest.

Was bei vielen Frauen deutlicher ist als der Körper, sind die Gedanken. Die Wartezeit gibt dem Kopf Raum, den der Alltag sonst nicht lässt. Erleichterung, Traurigkeit, Leere, Anspannung, manchmal alles gleichzeitig und im Wechsel — auch das gehört für viele dazu und heißt nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.

Warum musst du 36 bis 48 Stunden warten?

Der Abstand ist kein organisatorischer Zufall, sondern medizinisch begründet. Mifepriston braucht Zeit, um zu wirken: Das Progesteron muss blockiert, die Gebärmutterschleimhaut gelockert und der Gebärmutterhals weich werden. Erst dann kann das Misoprostol die Gebärmutter wirksam zum Zusammenziehen bringen. Wird die zweite Tablette zu früh genommen, wirkt sie schlechter.

Halte dich deshalb genau an den Zeitpunkt, den deine Ärztin oder dein Arzt dir genannt hat. Wenn dir der geplante Zeitpunkt aus praktischen Gründen schwerfällt — weil du arbeiten musst, Kinder zu versorgen hast oder allein wärst — sprich das an, bevor der Tag da ist. Solche Dinge lassen sich oft verschieben oder besser planen.

Was ist, wenn du kurz nach der Einnahme erbrichst?

Wenn du innerhalb der ersten Stunde nach der Einnahme erbrichst, kann es sein, dass der Wirkstoff nicht vollständig aufgenommen wurde. Das ist kein Drama, aber du solltest es nicht aussitzen: Ruf in der Praxis oder Klinik an, in der du die Tablette bekommen hast, und schildere genau, wann du sie genommen und wann du erbrochen hast. Dort wird entschieden, ob etwas nachgeholt werden muss.

Dasselbe gilt, wenn du dir unsicher bist, ob du die Tabletten vollständig geschluckt hast. Nachfragen ist immer besser als raten.

Ich habe schon geblutet — ist der Abbruch damit vorbei?

Nein. Eine Blutung – auch mit Gewebe oder Blutklumpen – ist kein verlässlicher Beleg dafür, dass der Abbruch vollständig abgeschlossen ist. Die Fachinformation zu Mifegyne weist ausdrücklich darauf hin, dass Blutungen nicht immer eine vollständige Austreibung beweisen. Ob der Abbruch vollständig war, wird bei der vorgesehenen Nachkontrolle beurteilt.

Ändere den weiteren Ablauf nicht allein wegen einer Blutung. Wenn du unsicher bist, ruf die Praxis oder Klinik an, die dich behandelt. Sie kennt deinen konkreten Behandlungsplan und sagt dir, was als Nächstes vorgesehen ist.

Nach dem zweiten Medikament keine Blutung: Wann die behandelnde Praxis kontaktieren?

Wenn nach dem zweiten Medikament keine Blutung einsetzt oder du nur sehr wenig Blutung bemerkst, nimm bitte Kontakt zu deiner behandelnden Praxis oder Klinik auf. Warte nicht darauf, dass eine Blutung allein Klarheit schafft, und ändere oder wiederhole Medikamente nicht selbst. Die Praxis kann anhand deines Behandlungsplans entscheiden, ob und wann eine Kontrolle nötig ist.

Auch bei Blutung bleibt die vereinbarte Nachkontrolle wichtig: Sie dient dazu zu klären, ob der Abbruch vollständig war. Für die Frage, wie lange Blutungen dauern können, lies bitte den eigenen Artikel Blutung nach der Abtreibungspille: Wie lange?. Dieser Beitrag bleibt bei der Zeit nach der ersten Einnahme und beim Übergang zum zweiten Medikament.

  • Blutung beobachten

    Blutung allein beweist keinen vollständigen Abbruch.

  • Nachkontrolle wahrnehmen

    Die Praxis prüft, ob der Abbruch vollständig war.

Bei fehlender oder sehr geringer Blutung nach dem zweiten Medikament: nach dem vereinbarten Plan die behandelnde Praxis kontaktieren.

Wenn dich in dieser Zeit Zweifel überkommen

Manche Frauen erleben in der Wartezeit etwas, womit sie nicht gerechnet haben: Sie werden unsicher. Nicht unbedingt, weil sich die Situation geändert hätte, sondern weil zwischen Entscheidung und Ausführung plötzlich Stille ist. Wenn es dir so geht, bist du nicht seltsam und auch nicht „zu spät dran" mit deinen Gefühlen.

Wenn dir das passiert, melde dich sofort bei uns — telefonisch unter 0800 36 999 63, im Chat oder per E-Mail. Nicht morgen, sondern jetzt. Denn was jetzt überhaupt noch möglich ist, hängt stark davon ab, wie viel Zeit seit der ersten Tablette vergangen ist. Wenn schnell gehandelt wird, gibt es eher etwas zu besprechen als nach Tagen des Grübelns.

Wir sind genau für diesen Moment da: kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym, täglich von 6 bis 24 Uhr. In der Praxis bekommst du die medizinische Behandlung — aber selten jemanden, der sich die Zeit nimmt, mit dir in Ruhe zu sortieren, was du eigentlich willst. Genau dafür sind wir da. Wir drängen dich in keine Richtung und bewerten dich nicht.

Ehrlich bleiben wir dabei auch bei den Grenzen: Mifepriston wirkt bereits, und niemand kann dir versprechen, dass sich das aufhalten lässt. Was in deiner Situation noch möglich ist, lässt sich nicht pauschal und erst recht nicht im Internet beantworten — es hängt von deinem Einzelfall ab. Ruf uns an, dann klären wir das gemeinsam und begleiten dich bei den nächsten Schritten.

Eines ist uns dabei wichtig, weil es um deine Gesundheit geht: Lass die zweite Tablette nicht einfach weg und warte ab. Ein unvollständiger Abbruch kann zu starken Blutungen und Infektionen führen und muss medizinisch versorgt werden. Melde dich bei uns, bevor du auf eigene Faust etwas entscheidest — wir besprechen mit dir, was jetzt zu tun ist, und helfen dir, die richtige medizinische Anlaufstelle zu finden.

Wie du dich auf die zweite Tablette vorbereitest

Die Zeit zwischen den beiden Tabletten lässt sich gut nutzen, um dir den nächsten Tag leichter zu machen. Nicht, weil du alles perfekt organisieren müsstest, sondern weil Vorbereitung erfahrungsgemäß einen großen Unterschied macht, wenn Krämpfe und Blutung einsetzen.

  • Medikamente klären: Frag in der Praxis, was für dich vorgesehen ist und was du bei Beschwerden tun sollst. Folge dabei ihrem Plan.
  • Vorräte bereitlegen: Dicke Binden (keine Tampons), Wärmflasche, Wasser, etwas Leichtes zu essen, Ladekabel, bequeme Kleidung. Alles an einen Platz, in Reichweite.
  • Toilette und Rückzug: Plane so, dass du in vertrauter Umgebung bist und jederzeit ungestört auf die Toilette kannst.
  • Jemanden einweihen: Wenn möglich, sollte eine Person wissen, was los ist, und erreichbar sein. Das muss niemand aus der Familie sein.
  • Nummern notieren: Praxis, Klinik und ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117) — sichtbar aufschreiben, nicht erst im Ernstfall suchen.

Was dich nach der zweiten Tablette körperlich erwartet und was gegen die Krämpfe hilft, haben wir ausführlich im Artikel zu Schmerzen bei der Abtreibungspille beschrieben.

Wann du sofort ärztliche Hilfe brauchst

Die meisten medikamentösen Abbrüche verlaufen ohne Komplikationen. Trotzdem solltest du die folgenden Warnzeichen kennen und im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig:

  • sehr starke Blutung, zum Beispiel mehr als vier vollgesogene große Binden innerhalb von zwei Stunden, wie es das IQWiG als Warnzeichen nennt; bei Kreislaufproblemen oder deutlicher Verschlechterung nicht erst diese Menge abwarten
  • Fieber, Schüttelfrost oder ein allgemeines Krankheitsgefühl
  • starke Schmerzen, die sich durch Schmerzmittel nicht lindern lassen
  • Kreislaufprobleme, Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
  • übel riechender Ausfluss
  • wenn nach dem zweiten Medikament keine oder nur sehr wenig Blutung einsetzt

Bei akuter Gefahr oder wenn du dich sehr krank fühlst, ruf den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten kann der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 eine Anlaufstelle nennen. Bei fehlender Blutung nach dem zweiten Medikament ist deine behandelnde Praxis oder Klinik die richtige erste Kontaktstelle. Eine ausführliche Übersicht möglicher Nebenwirkungen findest du unter Nebenwirkungen & Risiken.

Häufige Fragen zur ersten Tablette

Wie schnell wirkt die erste Abtreibungspille?

Das erste Medikament blockiert Progesteron und bereitet den weiteren Ablauf vor. Ob du das spürst oder nach der ersten Einnahme blutest, zeigt nicht zuverlässig, ob der Abbruch abgeschlossen ist. Blutung und Krämpfe treten typischerweise im Zusammenhang mit dem zweiten Medikament auf; halte dich an den Plan deiner Praxis.

Darf ich nach der ersten Tablette arbeiten oder Auto fahren?

Grundsätzlich ja, solange es dir gut geht — viele Frauen gehen nach der ersten Tablette ihrem normalen Alltag nach. Wenn du dich schlapp fühlst, Krämpfe oder Übelkeit hast, nimm dir die Zeit. Für den Abbruch und die Tage danach kannst du dich krankschreiben lassen; der Arbeitgeber erfährt den Grund nicht.

Was darf ich in der Wartezeit essen und trinken?

Es gibt keine besonderen Verbote. Sinnvoll ist leichte Kost, viel trinken und auf Alkohol zu verzichten — nicht wegen einer Wechselwirkung, sondern weil Alkohol Kreislauf und Schmerzempfinden zusätzlich belastet. Wenn dir übel ist, helfen kleine Portionen oft besser als eine große Mahlzeit.

Kann ich den Termin für die zweite Tablette verschieben?

Der Abstand von 36 bis 48 Stunden ist medizinisch vorgegeben, deshalb solltest du nichts eigenmächtig verschieben. Wenn der geplante Zeitpunkt für dich nicht passt, ruf in der Praxis an und sag es. Dort wird gemeinsam mit dir eine Lösung gefunden — das ist ein normaler Vorgang und kein Problem.

Du musst diese Stunden nicht allein durchstehen

Die Zeit zwischen der ersten und der zweiten Tablette ist eine eigentümliche Phase: medizinisch ein klar definierter Zwischenschritt, persönlich für viele Frauen der stillste und schwerste Teil. Es hilft zu wissen, was im Körper passiert, was normal ist und woran du erkennst, dass du Hilfe brauchst. Genauso hilft es zu wissen, dass Gefühle in dieser Zeit kein Zeichen von Schwäche sind.

Wenn du magst, kannst du dir jemanden dazuholen. Nicht, um dir etwas ausreden oder einreden zu lassen, sondern um nicht allein mit den Gedanken zu sitzen. Unsere Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym — per Chat, E-Mail oder Telefon, täglich von 6 bis 24 Uhr. Du musst nicht wissen, was du sagen willst. Ein Satz reicht.

Du bist nicht allein

Egal wie du dich fühlst: Wir sind da. Kostenlose, vertrauliche Beratung — ohne Druck, ohne Vorurteile.