Was macht die erste Abtreibungspille? Wirkung erklärt

26. Juli 2026

Medizinische Grundlage zuletzt geprüft: · Mehr zur medizinischen Prüfung

erste abtreibungspillemifegyne wirkungmifepristonmedikamentöser abbruchabtreibungspille ablauf
Was macht die erste Abtreibungspille? Wirkung erklärt

Vielleicht sitzt du gerade im Wartezimmer, vielleicht bist du schon wieder zu Hause und die erste Tablette liegt hinter dir. Und jetzt kommt dieser seltsame Moment: Es ist etwas Wichtiges passiert — aber äußerlich passiert erstmal fast nichts. Kein Schmerz, keine Blutung, nur Warten. Viele Frauen beschreiben genau diese Stunden als den schwersten Teil.

Die Abtreibungspille ist keine einzelne Tablette, sondern eine Abfolge aus zwei Wirkstoffen. Die erste Tablette enthält Mifepriston (Handelsname Mifegyne®) und wird in der Praxis eingenommen. Die zweite, Misoprostol, folgt 24 bis 48 Stunden später und löst die eigentliche Blutung aus. Dazwischen liegt eine Zeit, über die erstaunlich wenig gesprochen wird, obwohl sie körperlich und innerlich viel mit einem macht.

Dieser Artikel erklärt dir ruhig und ohne Beschönigung, was die erste Tablette in deinem Körper tut, was du in den Stunden danach spüren kannst, was normal ist, was nicht — und was du tun kannst, wenn dich in dieser Wartezeit plötzlich Zweifel überkommen. Du musst dafür nichts entschieden haben und nichts erklären.

Was macht die erste Tablette im Körper?

Die erste Tablette enthält den Wirkstoff Mifepriston. Er blockiert die Wirkung von Progesteron — dem Hormon, das eine Schwangerschaft aufrechterhält. Ohne diese hormonelle Unterstützung kann sich die Schwangerschaft nicht weiterentwickeln, und die Gebärmutterschleimhaut beginnt, sich zu lösen. Zusätzlich wird der Gebärmutterhals weicher und öffnet sich etwas. Das ist die Vorbereitung für den zweiten Schritt.

Wichtig zu verstehen: Mifepriston allein löst den Abbruch in der Regel noch nicht aus. Es stellt die Weichen. Das Ausstoßen des Schwangerschaftsgewebes übernimmt fast immer erst das Misoprostol, also die zweite Tablette. Deshalb fühlt sich der erste Tag für viele Frauen unspektakulär an — und genau das verunsichert.

Die drei Mifepriston-Tabletten werden laut den Informationen des IQWiG auf gesundheitsinformation.de in Anwesenheit einer Ärztin oder eines Arztes eingenommen. Danach kannst du nach Hause gehen. Den genauen Gesamtablauf mit allen Terminen findest du auf unserer Seite zum Ablauf der Abtreibungspille.

Was spürst du nach der ersten Tablette?

Ehrliche Antwort: Das ist sehr unterschiedlich — und bei vielen Frauen zunächst wenig. Manche merken körperlich fast gar nichts und wundern sich darüber. Andere bekommen ein Ziehen im Unterleib, leichte Krämpfe, Übelkeit oder Müdigkeit. Bei einem Teil der Frauen setzt schon am selben Tag eine Blutung ein, die einer normalen Regelblutung ähnelt.

Alle drei Varianten sind normal. Wenig zu spüren bedeutet nicht, dass die Tablette nicht wirkt. Und eine früh einsetzende Blutung bedeutet nicht, dass jetzt schon alles vorbei ist. Der Körper reagiert hier sehr individuell.

Was bei vielen Frauen deutlicher ist als der Körper, sind die Gedanken. Die Wartezeit gibt dem Kopf Raum, den der Alltag sonst nicht lässt. Erleichterung, Traurigkeit, Leere, Anspannung, manchmal alles gleichzeitig und im Wechsel — auch das gehört für viele dazu und heißt nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.

Warum musst du 24 bis 48 Stunden warten?

Der Abstand ist kein organisatorischer Zufall, sondern medizinisch begründet. Mifepriston braucht Zeit, um zu wirken: Das Progesteron muss blockiert, die Gebärmutterschleimhaut gelockert und der Gebärmutterhals weich werden. Erst dann kann das Misoprostol die Gebärmutter wirksam zum Zusammenziehen bringen. Wird die zweite Tablette zu früh genommen, wirkt sie schlechter.

Halte dich deshalb genau an den Zeitpunkt, den deine Ärztin oder dein Arzt dir genannt hat. Wenn dir der geplante Zeitpunkt aus praktischen Gründen schwerfällt — weil du arbeiten musst, Kinder zu versorgen hast oder allein wärst — sprich das an, bevor der Tag da ist. Solche Dinge lassen sich oft verschieben oder besser planen.

Was ist, wenn du kurz nach der Einnahme erbrichst?

Wenn du innerhalb der ersten Stunde nach der Einnahme erbrichst, kann es sein, dass der Wirkstoff nicht vollständig aufgenommen wurde. Das ist kein Drama, aber du solltest es nicht aussitzen: Ruf in der Praxis oder Klinik an, in der du die Tablette bekommen hast, und schildere genau, wann du sie genommen und wann du erbrochen hast. Dort wird entschieden, ob etwas nachgeholt werden muss.

Dasselbe gilt, wenn du dir unsicher bist, ob du die Tabletten vollständig geschluckt hast. Nachfragen ist immer besser als raten.

Ich habe schon geblutet — ist der Abbruch damit vorbei?

Nein, und das ist eine der wichtigsten Informationen in diesem Artikel. Eine Blutung nach der ersten Tablette bedeutet nicht, dass der Abbruch abgeschlossen ist. Nimm die zweite Tablette trotzdem wie besprochen ein, außer deine Ärztin oder dein Arzt sagt dir ausdrücklich etwas anderes.

Wird die zweite Tablette weggelassen, weil eine Blutung eingesetzt ist, bleibt häufig Gewebe in der Gebärmutter zurück. Das kann zu anhaltenden Blutungen, Schmerzen und Infektionen führen und muss dann ärztlich behandelt werden. Genauso wichtig ist der Nachkontrolltermin etwa 10 bis 14 Tage später — auch dann, wenn du das Gefühl hast, es sei ohnehin alles vorbei.

Wenn dich in dieser Zeit Zweifel überkommen

Manche Frauen erleben in der Wartezeit etwas, womit sie nicht gerechnet haben: Sie werden unsicher. Nicht unbedingt, weil sich die Situation geändert hätte, sondern weil zwischen Entscheidung und Ausführung plötzlich Stille ist. Wenn es dir so geht, bist du nicht seltsam und auch nicht „zu spät dran" mit deinen Gefühlen.

Was in dieser Lage hilft, ist Klarheit statt Panik. Der Wirkstoff der ersten Tablette wirkt bereits — das lässt sich nicht ungeschehen machen, und niemand sollte dir etwas anderes versprechen. Gleichzeitig ist der zweite Schritt noch nicht getan. Wenn du ernsthaft ins Zweifeln kommst, nimm die zweite Tablette nicht einfach deshalb, weil sie im Plan steht. Sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Wie es weitergehen kann und was medizinisch nötig ist, lässt sich nur individuell und ärztlich beurteilen — auch ein nur teilweise erfolgter Abbruch braucht Betreuung.

Und wenn du das erstmal mit jemandem sortieren willst, der nicht drängt und nichts von dir will: Genau dafür sind wir da. Vertraulich, kostenlos, auf Wunsch anonym, auch nachts. Du findest alle Wege auf unserer Seite Hilfe & Beratung.

Wie du dich auf die zweite Tablette vorbereitest

Die Zeit zwischen den beiden Tabletten lässt sich gut nutzen, um dir den nächsten Tag leichter zu machen. Nicht, weil du alles perfekt organisieren müsstest, sondern weil Vorbereitung erfahrungsgemäß einen großen Unterschied macht, wenn Krämpfe und Blutung einsetzen.

  • Schmerzmittel klären: Frag in der Praxis nach, welches Mittel du wann nehmen sollst — Fachleute empfehlen üblicherweise ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und bei Bedarf etwas gegen Übelkeit. Besorge es vorher.
  • Vorräte bereitlegen: Dicke Binden (keine Tampons), Wärmflasche, Wasser, etwas Leichtes zu essen, Ladekabel, bequeme Kleidung. Alles an einen Platz, in Reichweite.
  • Toilette und Rückzug: Plane so, dass du in vertrauter Umgebung bist und jederzeit ungestört auf die Toilette kannst.
  • Jemanden einweihen: Wenn möglich, sollte eine Person wissen, was los ist, und erreichbar sein. Das muss niemand aus der Familie sein.
  • Nummern notieren: Praxis, Klinik und ärztlicher Bereitschaftsdienst (116 117) — sichtbar aufschreiben, nicht erst im Ernstfall suchen.

Was dich nach der zweiten Tablette körperlich erwartet und was gegen die Krämpfe hilft, haben wir ausführlich im Artikel zu Schmerzen bei der Abtreibungspille beschrieben.

Wann du sofort ärztliche Hilfe brauchst

Die meisten medikamentösen Abbrüche verlaufen ohne Komplikationen. Trotzdem solltest du die folgenden Warnzeichen kennen und im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig:

  • sehr starke Blutung — als Faustregel: mehr als zwei dicke Binden pro Stunde über zwei Stunden hinweg
  • Fieber, Schüttelfrost oder ein allgemeines Krankheitsgefühl
  • starke Schmerzen, die sich durch Schmerzmittel nicht lindern lassen
  • Kreislaufprobleme, Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
  • übel riechender Ausfluss
  • wenn nach der zweiten Tablette gar keine Blutung einsetzt

Im Notfall gilt die 112, außerhalb der Sprechzeiten der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Eine ausführliche Übersicht möglicher Nebenwirkungen findest du unter Nebenwirkungen & Risiken.

Häufige Fragen zur ersten Tablette

Wie schnell wirkt die erste Abtreibungspille?

Mifepriston beginnt innerhalb weniger Stunden zu wirken, auch wenn du davon meist nichts merkst. Die hormonelle Wirkung — das Blockieren des Progesterons — setzt also früh ein, während die sichtbare Reaktion des Körpers in der Regel erst nach der zweiten Tablette kommt.

Darf ich nach der ersten Tablette arbeiten oder Auto fahren?

Grundsätzlich ja, solange es dir gut geht — viele Frauen gehen nach der ersten Tablette ihrem normalen Alltag nach. Wenn du dich schlapp fühlst, Krämpfe oder Übelkeit hast, nimm dir die Zeit. Für den Abbruch und die Tage danach kannst du dich krankschreiben lassen; der Arbeitgeber erfährt den Grund nicht.

Was darf ich in der Wartezeit essen und trinken?

Es gibt keine besonderen Verbote. Sinnvoll ist leichte Kost, viel trinken und auf Alkohol zu verzichten — nicht wegen einer Wechselwirkung, sondern weil Alkohol Kreislauf und Schmerzempfinden zusätzlich belastet. Wenn dir übel ist, helfen kleine Portionen oft besser als eine große Mahlzeit.

Kann ich den Termin für die zweite Tablette verschieben?

Der Abstand von 24 bis 48 Stunden ist medizinisch vorgegeben, deshalb solltest du nichts eigenmächtig verschieben. Wenn der geplante Zeitpunkt für dich nicht passt, ruf in der Praxis an und sag es. Dort wird gemeinsam mit dir eine Lösung gefunden — das ist ein normaler Vorgang und kein Problem.

Du musst diese Stunden nicht allein durchstehen

Die Zeit zwischen der ersten und der zweiten Tablette ist eine eigentümliche Phase: medizinisch ein klar definierter Zwischenschritt, persönlich für viele Frauen der stillste und schwerste Teil. Es hilft zu wissen, was im Körper passiert, was normal ist und woran du erkennst, dass du Hilfe brauchst. Genauso hilft es zu wissen, dass Gefühle in dieser Zeit kein Zeichen von Schwäche sind.

Wenn du magst, kannst du dir jemanden dazuholen. Nicht, um dir etwas ausreden oder einreden zu lassen, sondern um nicht allein mit den Gedanken zu sitzen. Unsere Beratung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym — per Chat, E-Mail oder Telefon, täglich von 6 bis 24 Uhr. Du musst nicht wissen, was du sagen willst. Ein Satz reicht.

Du bist nicht allein

Egal wie du dich fühlst: Wir sind da. Kostenlose, vertrauliche Beratung — ohne Druck, ohne Vorurteile.