Abtreibungspille oder Absaugung?

In Deutschland gibt es zwei übliche Wege, eine Schwangerschaft abzubrechen: mit Medikamenten oder durch einen kurzen Eingriff. Hier siehst du auf einen Blick, wie sie sich unterscheiden, bei Zeitpunkt, Ablauf, Betäubung, Terminen und Kosten.

Medizinisch geprüft von Prof. Dr. Cullen und Kollegen

Die beiden Methoden im Vergleich

Die Angaben beschreiben den üblichen Ablauf in Deutschland. Im Einzelfall kann deine Praxis oder Klinik etwas anders vorgehen.

Abtreibungspille und Absaugung im Vergleich
Was du wissen willstAbtreibungspille (medikamentös)Absaugung (operativ)
Bis wann möglichBis Ende der 9. Woche63. Tag nach Beginn der letzten PeriodeBis Ende der 14. Wochenach der Beratungsregelung, das ist die 12. Woche nach der Empfängnis
Wie es funktioniertZwei Medikamenteerst Mifepriston, 36 bis 48 Stunden später ein Prostaglandin wie MisoprostolKurzer Eingriffder Inhalt der Gebärmutter wird über ein dünnes Röhrchen abgesaugt
BetäubungKeine Narkosebei Bedarf SchmerzmittelKurznarkose oder örtliche Betäubung
WoPraxis und zu Hauseerstes Medikament in der Praxis, das zweite in der Praxis oder zu HausePraxis oder Klinikambulant
Wie lange es dauertMehrere Tagedie Abbruchblutung setzt meist nach der zweiten Einnahme einEtwa 10 Minutendanach eine kurze Ruhephase, nach Hause am selben Tag
Arzttermine1 bis 3 Arztbesucheinnerhalb von etwa 14 Tagen, Nachuntersuchung eingeschlossenVorgespräch und Eingriffoft an verschiedenen Tagen, dazu die Nachuntersuchung
Was du mitbekommstDu bist wachBlutung und Krämpfe sind stärker als bei einer normalen PeriodeUnter Kurznarkose nichtsdanach darfst du nicht selbst Auto oder Fahrrad fahren
NachuntersuchungNach 1 bis 2 Wochenunbedingt nötigMeist nach 2 bis 3 Wochen
Kosten bei SelbstzahlungCa. 300 bis 500 Eurozur OrientierungMeist etwas mehrvor allem mit Narkose. familienplanung.de nennt für alle Methoden 380 bis 900 Euro
Wenn Gewebe zurückbleibtIn 2 bis 5 % der Fälleist eine Absaugung nötigBei bis zu 2 %Entzündung oder verbliebenes Gewebe

Bei geringem Einkommen übernimmt das Bundesland die Kosten, egal welche Methode du wählst. Ob das für dich gilt, zeigt der Kostenübernahme-Rechner. Alle Details stehen auf der Seite Kosten & Kostenübernahme.

Welche Methode für dich infrage kommt

In der Praxis entscheidet meist nicht die Vorliebe, sondern der Zeitpunkt:

  • Bis zum Ende der 9. Woche: Beide Methoden sind grundsätzlich möglich. Hier gibt es tatsächlich eine Wahl.
  • Von der 10. bis zum Ende der 14. Woche: Nur noch die Absaugung.
  • Nach der 14. Woche: Ein Abbruch nach der Beratungsregelung ist nicht mehr straffrei möglich. Es bleiben nur die medizinische oder die kriminologische Indikation.

Dazu kommen medizinische Gründe, die im Einzelfall gegen die Abtreibungspille sprechen, etwa eine Gerinnungsstörung, blutverdünnende Medikamente, schweres Asthma oder eine liegende Spirale. Das klärt die Praxis beim Vorgespräch mit dir. Frag dort auch, welche Methoden sie anbietet, denn das ist nicht überall gleich.

Die Schwangerschaftswoche zählt ab dem ersten Tag der letzten Periode, nicht ab dem Geschlechtsverkehr. Wie viel Zeit dir bleibt, rechnet der Fristenrechner für dich aus. Mehr dazu im Artikel Bis wann darf man abtreiben?

Wie sich die Methoden anfühlen

Jenseits der Medizin gibt es Unterschiede, die im Alltag oft schwerer wiegen als jede Statistik.

Zeit

Der medikamentöse Abbruch erstreckt sich über mehrere Tage. Die Absaugung ist an einem Vormittag oder Nachmittag vorbei.

Ort

Manche Frauen empfinden es als erleichternd, in der eigenen Wohnung zu bleiben. Andere möchten genau das nicht zu Hause erleben und sind lieber in der Praxis oder Klinik.

Was du bewusst erlebst

Beim medikamentösen Abbruch bist du wach und erlebst Blutung und Krämpfe mit. Das kann die Verarbeitung erleichtern, kann aber auch zusätzlich belasten. Bei der Absaugung unter Kurznarkose bekommst du vom Eingriff selbst nichts mit. Danach sind ziehende Schmerzen für ein bis zwei Tage normal.

Wer dabei ist

Für die Tage des medikamentösen Abbruchs ist es gut, einen vertrauten Menschen in der Nähe zu haben. Nach einer Kurznarkose sollte dich jemand abholen und nach Hause begleiten.

Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch. Was für dich stimmig ist, hängt davon ab, wie du bist und wie deine Lebenssituation gerade aussieht. Mehr zu Krämpfen und Schmerzmitteln steht im Artikel Schmerzen bei der Abtreibungspille.

Und die Ausschabung?

Viele sagen „Ausschabung“, wenn sie den operativen Abbruch meinen. Das Standardverfahren ist heute aber die Absaugung, auch Vakuumaspiration oder Saugkürettage genannt. Die Ausschabung (Kürettage oder Abrasio), bei der ein löffelartiges Instrument verwendet wird, kommt beim Schwangerschaftsabbruch nur noch vereinzelt zum Einsatz.

Wenn du also „Abtreibungspille oder Ausschabung“ vergleichst, ist die Antwort fast immer dieselbe wie beim Vergleich mit der Absaugung. Wie der Eingriff genau abläuft, beschreibt der Artikel Absaugmethode: Ablauf Schritt für Schritt.

Sicherheit und Risiken

Beide Verfahren gelten als sehr sicher. Schwere Komplikationen sind bei beiden selten. Die typischen Risiken unterscheiden sich aber:

  • Abtreibungspille: Die häufigste Komplikation ist ein unvollständiger Abbruch. In etwa 2 bis 5 % der Fälle bleibt Gewebe zurück und eine Absaugung wird nötig. Deshalb ist die Nachuntersuchung so wichtig.
  • Absaugung: Hier kommen die Risiken eines Eingriffs hinzu. Verletzungen der Gebärmutter, Zwischenfälle bei der Narkose oder ein hoher Blutverlust sind sehr selten.

Ein Abbruch ohne Komplikationen hat nach aktuellem Wissensstand keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Welche Beschwerden normal sind und wann du sofort Hilfe brauchst, steht auf der Seite Nebenwirkungen & Risiken.

Was vor jedem Abbruch passiert

Unabhängig von der Methode sind die Schritte in Deutschland dieselben:

  1. Nachweis der Schwangerschaft und Bestimmung der Woche per Ultraschall
  2. Anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatung mit Beratungsschein
  3. Mindestens drei volle Tage Bedenkzeit zwischen Beratung und Abbruch
  4. Ärztliches Vorgespräch, in dem auch die Methode besprochen wird

Diese Schritte kosten Zeit, die in die Fristplanung gehört. Wie der medikamentöse Weg im Einzelnen abläuft, steht auf der Seite Ablauf der Abtreibungspille. Den rechtlichen Rahmen erklärt die Seite Abtreibung und Recht.

Häufige Fragen

Was ist besser, Abtreibungspille oder Absaugung?

Das lässt sich nicht allgemein beantworten. Beide gelten als sehr sicher. Die Abtreibungspille kommt ohne Eingriff und Narkose aus, dauert aber mehrere Tage und wird bewusst erlebt. Die Absaugung ist schnell vorbei, ist aber ein Eingriff. Was für dich besser passt, hängt von deiner Woche, deiner Gesundheit und davon ab, was dir wichtig ist.

Kann ich die Methode frei wählen?

Bis zum Ende der 9. Woche und wenn medizinisch nichts dagegenspricht: meist ja. Danach ist nur noch die Absaugung möglich. Frag in der Praxis direkt, welche Verfahren dort angeboten werden.

Was kostet die Absaugung im Vergleich zur Abtreibungspille?

Für die Abtreibungspille kannst du zur Orientierung mit ca. 300 bis 500 Euro rechnen. Die Absaugung kostet meist etwas mehr, vor allem mit Narkose. familienplanung.de nennt für alle Methoden eine Spanne von 380 bis 900 Euro. Bei geringem Einkommen übernimmt das Bundesland die Kosten, wenn du den Antrag vor dem Abbruch stellst.

Tut ein Schwangerschaftsabbruch weh?

Bei der Abtreibungspille treten Krämpfe auf, die viele mit einer starken Regelblutung vergleichen. Dagegen helfen Schmerzmittel, die dir die Praxis empfiehlt. Bei der Absaugung unter Narkose spürst du während des Eingriffs nichts, danach sind ziehende Schmerzen für ein bis zwei Tage normal.

Ist eine Ausschabung dasselbe wie eine Absaugung?

Nein. Bei der Absaugung wird das Gewebe mit Unterdruck über ein dünnes Röhrchen entfernt, bei der Ausschabung mit einem löffelartigen Instrument. Für den Schwangerschaftsabbruch ist heute die Absaugung das Standardverfahren, die Ausschabung wird nur noch vereinzelt eingesetzt.

Die Methode ist selten die erste Frage

Wenn du dich gerade durch Methodenvergleiche liest, geht es vielleicht noch gar nicht um das Verfahren, sondern um die Frage dahinter: Was bedeutet das alles für mich, und was will ich eigentlich?

Diese Frage lässt sich nicht durch Recherche beantworten, sondern eher im Gespräch. Wir sind dafür da: kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym, per Chat, E-Mail oder Telefon. Ohne Drängen, ohne Erwartung, und auch dann, wenn du noch gar nichts entschieden hast.

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